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Analyse

Defensive Werbestrategie auf Amazon: die eigene Marke verteidigen

Research by SPACEGOATS Redaktion

Das übersehene Einfallstor: Werbung auf fremden Markenbegriffen

Auf Amazon darf jeder Anbieter auf die Markenbegriffe anderer bieten. Wer nach einer konkreten Marke sucht, sieht über den organischen Treffern gesponserte Ergebnisse, und die gehören nicht automatisch der gesuchten Marke, sondern dem Höchstbietenden mit ausreichender Relevanz. Dasselbe gilt auf der Produktdetailseite: Unter dem Kaufblock und im Karussell werben Wettbewerber mit ihren Alternativen, mitten im Zuhause der Marke.

Das ist kein Regelverstoß, sondern Systemdesign: Amazon verkauft Aufmerksamkeit an der profitabelsten Stelle, dem letzten Meter vor der Kaufentscheidung. Für Marken heißt das: Die eigene Detailseite und die eigenen Suchbegriffe sind umkämpfte Werbefläche, ob die Marke mitspielt oder nicht.

Was Nicht-Verteidigen kostet

Die Rechnung ist unangenehm konkret. Markensuchen sind die wertvollste Nachfrage überhaupt: Der Kunde hat sich entschieden und will nur noch kaufen. Diese Nachfrage hat die Marke teuer aufgebaut, mit Produktqualität, externem Marketing, Social Media, TV. Steht am letzten Meter ein Wettbewerber mit einer plausiblen Alternative und einem besseren Preis, konvertiert ein Teil dieser Nachfrage fremd, und die Marke hat die Kundengewinnung des Wettbewerbs finanziert.

Sichtbar wird der Effekt oft erst spät: Die Markensuche wächst laut externem Monitoring, aber der Amazon-Umsatz wächst nicht mit. Wer dann die eigene Suchergebnisseite und Detailseite nüchtern ansieht, findet die Erklärung meist in den besetzten Werbeplätzen.

Wie defensive Kampagnen aufgebaut sind

Der Kern ist einfach und günstig: Kampagnen auf die eigenen Markenbegriffe (inklusive Schreibvarianten und Kombinationen wie Marke plus Produktgattung) und Placement-Kampagnen auf den eigenen Detailseiten, die dort die Karussell-Plätze mit den eigenen Produkten füllen, Cross-Selling statt Fremdwerbung.

Weil Relevanz und Klickrate auf den eigenen Begriffen naturgemäß hoch sind, sind die Klickpreise defensiver Kampagnen meist niedrig und die Effizienz-Kennzahlen exzellent. Wichtig ist die richtige Bewertung: Defensive Kampagnen gewinnen selten neue Kunden (niedriger New-to-Brand-Anteil), das ist kein Mangel, sondern ihr Zweck. Sie werden an gehaltener Sichtbarkeit gemessen, nicht an Neukunden-Quoten, und getrennt von Wachstums-Kampagnen gesteuert.

  • Suchbegriffs-Verteidigung: eigene Marke, Schreibvarianten, Marke + Gattung
  • Detailseiten-Verteidigung: eigene Produkte in den Anzeigen-Slots der eigenen ASINs
  • Getrennte Steuerung: Defense an Sichtbarkeit messen, Offense an Neukunden (NTB)

Wer verteidigt, hängt vom Modell ab

Im Seller-Modell liegt die Verteidigung bei der Marke selbst, sie steuert Budget und Kampagnen direkt. Im Vendor-Modell ebenfalls, über die Werbe-Konsole, unabhängig davon, dass Amazon den Abverkauf macht. Im Broker-Modell gehört die Frage vertraglich geregelt: Wer bezahlt und steuert die Brand-Defense-Kampagnen, der Broker aus seiner Handelsmarge oder die Marke über ihr eigenes Werbe-Setup? Und selbst Marken, die gar nicht selbst verkaufen, können ihre Begriffe verteidigen, das ist der Werbe-Baustein des Brand-Steward-Modells.

Unabhängig vom Modell gilt: Unverteidigte Markenbegriffe sind kein neutraler Zustand, sondern ein offenes Budget-Leck. Die Frage ist nie, ob die Werbeplätze der Marke bespielt werden, sondern nur, von wem.


Häufige Fragen

Was ist eine defensive Werbestrategie auf Amazon?
Der gezielte Einsatz von Werbekampagnen auf den eigenen Markenbegriffen und Produktdetailseiten, um diese Plätze nicht dem Wettbewerb zu überlassen. Amazon erlaubt jedem Anbieter, auf fremde Markenbegriffe zu bieten und auf fremden Detailseiten zu werben, Brand Defense besetzt diese Flächen mit den eigenen Produkten.
Dürfen Wettbewerber wirklich auf meinen Markennamen werben?
Ja. Das Bieten auf fremde Markenbegriffe als Suchbegriff ist auf Amazon zulässig und verbreitet, ebenso Anzeigen-Platzierungen auf fremden Produktdetailseiten. Unzulässig wäre die Verwendung der fremden Marke im eigenen Anzeigentext oder Listing, nicht aber das Targeting der Suchanfrage.
Was kostet Brand Defense und lohnt sich das?
Defensive Kampagnen gehören meist zu den günstigsten im Konto: Die Relevanz auf den eigenen Begriffen ist hoch, entsprechend niedrig sind Klickpreise und Streuverluste. Die Gegenrechnung ist der Wert der geschützten Nachfrage, Markensuchen sind kaufbereite Kunden, deren Abwanderung zum Wettbewerb ein Vielfaches der Defense-Kosten ausmacht.
Wie messe ich defensive Kampagnen richtig?
Nicht an Neukunden-Metriken: Defensive Kampagnen haben naturgemäß einen niedrigen New-to-Brand-Anteil, weil sie bestehende Markennachfrage schützen statt neue zu gewinnen. Sinnvolle Messgrößen sind gehaltene Sichtbarkeit auf den eigenen Begriffen (Anteil der eigenen Anzeigen an den Top-Platzierungen) und die Effizienz der Absicherung, getrennt von den Wachstums-Kampagnen betrachtet.
Muss ich verteidigen, auch wenn ich nicht selbst auf Amazon verkaufe?
Gerade dann lohnt der Blick: Produkte landen über Reseller ohnehin auf Amazon, und die Markenbegriffe werden gesucht. Markeninhaber können über Brand Registry und ein eigenes Konto Werbeformate für ihre Produkte schalten, auch wenn Dritte verkaufen. Wer das nicht tut, überlässt die teuerste Werbefläche der eigenen Marke vollständig dem Wettbewerb.

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