Seller vs Vendor: Direktvergleich 3P und 1P auf Amazon
Der zentrale Unterschied
Ein Seller (3P) verkauft über Amazon, ein Vendor (1P) verkauft an Amazon. Jede operative, finanzielle und strategische Folge der beiden Modelle ergibt sich aus dieser strukturellen Differenz.
Vergleichsdimensionen
| Kriterium | Seller (3P) | Vendor (1P) |
|---|---|---|
| Wer verkauft an den Endkunden? | Die Marke selbst, „Verkauft von [Brand]" auf der Detailseite | Amazon, „Verkauft von Amazon", Marke verschwindet als Verkäufer |
| Pricing-Kontrolle | Volle Hoheit über Endpreis und Promotions | Amazon bestimmt Endpreis, Discount-Risiko strukturell |
| Backend | Seller Central | Vendor Central |
| Zahlungsziel | Tägliche/14-tägige Auszahlung | Net 60 oder Net 90 ab Wareneingang |
| Operative Last (FTE) | 3–5 Vollzeitstellen typisch | 1–2,5 Vollzeitstellen typisch |
| Brutto-Marge (Spanne) | 25–45 Prozent | 10–30 Prozent |
| Logistik | FBA oder FBM nach Wahl, Lager- und Versandkosten | Lieferung ins Amazon-Lager, danach komplett bei Amazon |
| Listing-Pflege | Sofortige Anpassungen über Seller Central | Submissions über Vendor Central, oft langsam und mehrfach |
| Compliance-Last | VAT, EPR, IoR, GPSR, komplett bei der Marke | Reduziert, aber Produktsicherheit bleibt bei der Marke |
| Daten-Tiefe | Granular: Sales, Ads, Search Terms, Cohorts in Echtzeit | Brand-Analytics, aber Granularität niedriger |
| Account-Risiko | Strikte Performance-KPIs, Sperrung möglich | Kommerzielle Beziehung, Konflikte werden verhandelt |
| CRaP-Risiko | Nicht relevant, Marke kontrolliert eigene Profitabilität | Hoch, Amazon depriorisiert SKUs stillschweigend |
Pink markierte Felder kennzeichnen das Modell mit dem strukturellen Vorteil in der jeweiligen Dimension. Vorteil heißt nicht „besser für alle", sondern strukturell überlegen, wenn die Dimension entscheidungsrelevant ist.
Amazon Vendor vs Seller: die Unterschiede im Detail
Preis und Preishoheit
Als Seller legst du deinen Verkaufspreis selbst fest und änderst ihn in Seller Central, wann du willst. Als Vendor verkaufst du zu einem verhandelten Einkaufspreis an Amazon. Den Preis für die Kundschaft legt Amazon nach eigener Aussage in der Regel selbst fest.
Für Marken, die im übrigen Handel auf ein stabiles Preisniveau achten, ist das oft der wichtigste Punkt: Im Vendor-Modell hast du auf den Endpreis bei Amazon keinen direkten Zugriff.
Mehr dazu: Sold by Amazon, Buy Box
Kosten und Marge
Seller zahlen Amazon Gebühren auf jeden Verkauf. In Deutschland ist das ein Tarif (Professionell 39 € pro Monat oder Einzelanbieter 0,99 € je verkaufter Einheit, jeweils ohne MwSt.) plus eine Verkaufsgebühr je Artikel, die von der Kategorie abhängt und laut Amazon meist zwischen 8 und 15 Prozent liegt. Dazu kommen Versand oder FBA-Gebühren und Werbung.
Im Vendor-Modell fallen diese Verkaufsgebühren nicht an, weil du an Amazon verkaufst und nicht an die Kundschaft. Deine Marge ergibt sich aus dem Einkaufspreis, den Amazon zahlt, abzüglich deiner eigenen Kosten und der Konditionen, die du mit Amazon verhandelst.
Mehr dazu: Seller-Kosten, Vendor-Kosten, Annual Vendor Negotiation
Kontrolle über Angebot und Marke
Seller verwalten Angebote, Preise und Lagerbestände selbst in Seller Central und treten auf der Produktseite als Verkäufer auf. Vendoren arbeiten über Vendor Central, verkauft wird das Produkt von Amazon.
Die Amazon Markenregistrierung (Brand Registry) steht in beiden Modellen offen. Amazon beschreibt sie als kostenloses Programm, das unabhängig davon nutzbar ist, ob du im Amazon Store verkaufst, und du kannst dich mit deinem bestehenden Seller-Central- oder Vendor-Central-Konto anmelden.
Mehr dazu: Seller Central, Vendor Central, Brand Registry
Daten und Berichte
Als Seller siehst du Bestellungen, Preise und Bestände aus erster Hand, weil du sie selbst verwaltest. Vendoren sehen den Verkauf an die Kundschaft nur über die Berichte, die Amazon bereitstellt. In der Selling Partner API sind das die Vendor-Retail-Analytics-Berichte zu Verkauf und Bestand, die nur Vendoren abrufen können.
Brand Analytics steht Sellern und Vendoren offen, die in der Markenregistrierung eingetragen sind. Einzelne Berichte daraus gibt es laut Amazon nur für Seller.
Mehr dazu: Sell-in vs Sell-out, Amazon EDI erklärt
Logistik und Bestellungen
Als Seller entscheidest du, wie Bestellungen ausgeführt werden: selbst, über einen Dienstleister oder mit Versand durch Amazon (FBA). Beides geht auch parallel, ein Teil der Produkte über FBA, der Rest in Eigenregie.
Als Vendor lieferst du auf Bestellung. Amazon schickt dir Purchase Orders, du nimmst sie an oder lehnst sie ab, meldest den Versand per Lieferavis (ASN) und lieferst in die Logistikzentren von Amazon. Danach verkauft und versendet Amazon. Bestand und Nachschub steuerst du als Seller selbst, als Vendor steuert Amazon sie über seine Bestellungen.
Mehr dazu: FBA, FBM, FBA vs FBM
Vertrag, Zugang und Zahlung
Seller registrieren sich selbst und stimmen dabei dem Amazon Services Europe Business Solutions Agreement zu. Amazon zahlt das Guthaben des Verkäuferkontos alle 14 Tage aus.
Amazon Vendor ist laut Amazon ein Programm auf Einladung. Die Beziehung ist ein Lieferverhältnis: Du stellst Amazon für gelieferte Ware Rechnungen, Konditionen und Zahlungsziele verhandelst du mit Amazon.
Mehr dazu: Vendor-Einladung erhalten, Vom Seller zum Vendor, Chargeback
Entscheidungshilfe
Welches Modell passt, hängt von deiner Ausgangslage ab. Geh diese Fragen der Reihe nach durch:
| Kriterium | Eher Seller (3P) | Eher Vendor (1P) |
|---|---|---|
| Liegt eine Einladung von Amazon vor? | Nein, dann bleibt der Seller-Weg | Ja, nur dann ist Vendor überhaupt möglich |
| Wer soll den Endpreis bei Amazon bestimmen? | Du selbst | Amazon darf ihn selbst setzen |
| Wer soll Bestand und Nachschub steuern? | Du, nach eigener Planung | Amazon, über seine Bestellungen |
| Welche Arbeit kann dein Team tragen? | Angebote, Preise, Werbung und Versand oder FBA | Bestellungen, Lieferungen, Rechnungen und Verhandlungen mit Amazon |
| Welche Daten brauchst du? | Eigene Bestell- und Preisdaten aus erster Hand | Berichte, die Amazon zu Verkauf und Bestand bereitstellt |
Wann welches Modell?
Wann Seller (3P) passt
- →Du hast 3–5 FTEs realistisch für ernsthaften Marketplace-Betrieb
- →Pricing-Disziplin und Listing-Geschwindigkeit sind geschäftskritisch
- →Echtzeit-Sales- und Ads-Daten sollen aktiv für Wachstum genutzt werden
- →VAT- und Compliance-Setup pro Markt ist intern stemmbar
- →Die Marke soll als Verkäufer sichtbar bleiben
Wann Vendor (1P) passt
- →Volumen-Sortimente mit stabiler, planbarer Sales-Velocity
- →Großhandels-Logik und Co-Op-Vereinbarungen sind vertraut
- →Pricing-Hoheit ist nicht geschäftskritisch (keine UVP-Bindung)
- →Working-Capital-Reserven für Net-60/90-Vorfinanzierung verfügbar
- →Eine Amazon-Einladung liegt auf dem Tisch und ohne strategische Gegenargumente
Häufige Fragen
Was bedeuten 1P und 3P bei Amazon?+
Kann man Seller und Vendor gleichzeitig sein?+
Was ist günstiger, Seller oder Vendor?+
Welches Modell ist sicherer gegen Account-Sperrungen?+
Wie wechselt man vom Seller- ins Vendor-Modell?+
Wer legt im Vendor-Modell den Verkaufspreis fest?+
Welche Gebühren zahlt ein Seller bei Amazon?+
Kann ich mich selbst als Vendor bei Amazon anmelden?+
Was ist Direct Fulfillment im Vendor-Modell?+
Quellen
- Amazon: Online verkaufen, Seller Central und Amazon Vendor im Vergleich (Preishoheit, Vendor auf Einladung, Auszahlung alle zwei Wochen; abgerufen am 16.10.2026)
- Amazon: Preisgestaltung, Verkaufstarife und Verkaufsgebühren für Seller in Deutschland (abgerufen am 16.10.2026)
- Amazon: Versand durch Amazon (FBA) und Versandoptionen für Seller (abgerufen am 16.10.2026)
- Amazon: Markenregistrierung (Brand Registry), für Seller und Vendoren (abgerufen am 16.10.2026)
- Amazon Seller Central: Amazon Services Europe Business Solutions Agreement (abgerufen am 16.10.2026)
- Amazon Selling Partner API: Begriffe, Retail Procurement Vendor und Direct Fulfillment Vendor (abgerufen am 16.10.2026)
- Amazon Selling Partner API: Vendor Orders API, Bestellungen von Amazon an Vendoren (abgerufen am 16.10.2026)
- Amazon Selling Partner API: Vendor Shipments API, Lieferavis (ASN) an Amazon (abgerufen am 16.10.2026)
- Amazon Selling Partner API: Vendor Invoices API, Rechnungen an Amazon (abgerufen am 16.10.2026)
- Amazon Selling Partner API: Analytics-Berichte, Vendor Retail Analytics und Brand Analytics (abgerufen am 16.10.2026)
Weiterlesen
- Das Vendor-Modell (1P): Ablauf, Kosten und Risiken des Großhandels an Amazon
- Das Seller-Modell (3P): Was der eigene Marketplace-Betrieb verlangt
- Das Hybrid-Modell: Seller und Vendor parallel betreiben
- Vendor vs Broker: Preishoheit zurück, ohne alles selbst zu betreiben
