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3P · Seller Modelvs1P · Vendor Model

Seller vs Vendor: Direktvergleich 3P und 1P auf Amazon

Research by Anton Hermann, Founder & CMO, SPACEGOATS GmbHLast updated

Der zentrale Unterschied

Ein Seller (3P) verkauft über Amazon, ein Vendor (1P) verkauft an Amazon. Jede operative, finanzielle und strategische Folge der beiden Modelle ergibt sich aus dieser strukturellen Differenz.

Vergleichsdimensionen

Strukturierter Direktvergleich
KriteriumSeller (3P)Vendor (1P)
Wer verkauft an den Endkunden?Die Marke selbst, „Verkauft von [Brand]" auf der DetailseiteAmazon, „Verkauft von Amazon", Marke verschwindet als Verkäufer
Pricing-KontrolleVolle Hoheit über Endpreis und PromotionsAmazon bestimmt Endpreis, Discount-Risiko strukturell
BackendSeller CentralVendor Central
ZahlungszielTägliche/14-tägige AuszahlungNet 60 oder Net 90 ab Wareneingang
Operative Last (FTE)3–5 Vollzeitstellen typisch1–2,5 Vollzeitstellen typisch
Brutto-Marge (Spanne)25–45 Prozent10–30 Prozent
LogistikFBA oder FBM nach Wahl, Lager- und VersandkostenLieferung ins Amazon-Lager, danach komplett bei Amazon
Listing-PflegeSofortige Anpassungen über Seller CentralSubmissions über Vendor Central, oft langsam und mehrfach
Compliance-LastVAT, EPR, IoR, GPSR, komplett bei der MarkeReduziert, aber Produktsicherheit bleibt bei der Marke
Daten-TiefeGranular: Sales, Ads, Search Terms, Cohorts in EchtzeitBrand-Analytics, aber Granularität niedriger
Account-RisikoStrikte Performance-KPIs, Sperrung möglichKommerzielle Beziehung, Konflikte werden verhandelt
CRaP-RisikoNicht relevant, Marke kontrolliert eigene ProfitabilitätHoch, Amazon depriorisiert SKUs stillschweigend

Pink markierte Felder kennzeichnen das Modell mit dem strukturellen Vorteil in der jeweiligen Dimension. Vorteil heißt nicht „besser für alle", sondern strukturell überlegen, wenn die Dimension entscheidungsrelevant ist.

Amazon Vendor vs Seller: die Unterschiede im Detail

Preis und Preishoheit

Als Seller legst du deinen Verkaufspreis selbst fest und änderst ihn in Seller Central, wann du willst. Als Vendor verkaufst du zu einem verhandelten Einkaufspreis an Amazon. Den Preis für die Kundschaft legt Amazon nach eigener Aussage in der Regel selbst fest.

Für Marken, die im übrigen Handel auf ein stabiles Preisniveau achten, ist das oft der wichtigste Punkt: Im Vendor-Modell hast du auf den Endpreis bei Amazon keinen direkten Zugriff.

Mehr dazu: Sold by Amazon, Buy Box

Kosten und Marge

Seller zahlen Amazon Gebühren auf jeden Verkauf. In Deutschland ist das ein Tarif (Professionell 39 € pro Monat oder Einzelanbieter 0,99 € je verkaufter Einheit, jeweils ohne MwSt.) plus eine Verkaufsgebühr je Artikel, die von der Kategorie abhängt und laut Amazon meist zwischen 8 und 15 Prozent liegt. Dazu kommen Versand oder FBA-Gebühren und Werbung.

Im Vendor-Modell fallen diese Verkaufsgebühren nicht an, weil du an Amazon verkaufst und nicht an die Kundschaft. Deine Marge ergibt sich aus dem Einkaufspreis, den Amazon zahlt, abzüglich deiner eigenen Kosten und der Konditionen, die du mit Amazon verhandelst.

Mehr dazu: Seller-Kosten, Vendor-Kosten, Annual Vendor Negotiation

Kontrolle über Angebot und Marke

Seller verwalten Angebote, Preise und Lagerbestände selbst in Seller Central und treten auf der Produktseite als Verkäufer auf. Vendoren arbeiten über Vendor Central, verkauft wird das Produkt von Amazon.

Die Amazon Markenregistrierung (Brand Registry) steht in beiden Modellen offen. Amazon beschreibt sie als kostenloses Programm, das unabhängig davon nutzbar ist, ob du im Amazon Store verkaufst, und du kannst dich mit deinem bestehenden Seller-Central- oder Vendor-Central-Konto anmelden.

Mehr dazu: Seller Central, Vendor Central, Brand Registry

Daten und Berichte

Als Seller siehst du Bestellungen, Preise und Bestände aus erster Hand, weil du sie selbst verwaltest. Vendoren sehen den Verkauf an die Kundschaft nur über die Berichte, die Amazon bereitstellt. In der Selling Partner API sind das die Vendor-Retail-Analytics-Berichte zu Verkauf und Bestand, die nur Vendoren abrufen können.

Brand Analytics steht Sellern und Vendoren offen, die in der Markenregistrierung eingetragen sind. Einzelne Berichte daraus gibt es laut Amazon nur für Seller.

Mehr dazu: Sell-in vs Sell-out, Amazon EDI erklärt

Logistik und Bestellungen

Als Seller entscheidest du, wie Bestellungen ausgeführt werden: selbst, über einen Dienstleister oder mit Versand durch Amazon (FBA). Beides geht auch parallel, ein Teil der Produkte über FBA, der Rest in Eigenregie.

Als Vendor lieferst du auf Bestellung. Amazon schickt dir Purchase Orders, du nimmst sie an oder lehnst sie ab, meldest den Versand per Lieferavis (ASN) und lieferst in die Logistikzentren von Amazon. Danach verkauft und versendet Amazon. Bestand und Nachschub steuerst du als Seller selbst, als Vendor steuert Amazon sie über seine Bestellungen.

Mehr dazu: FBA, FBM, FBA vs FBM

Vertrag, Zugang und Zahlung

Seller registrieren sich selbst und stimmen dabei dem Amazon Services Europe Business Solutions Agreement zu. Amazon zahlt das Guthaben des Verkäuferkontos alle 14 Tage aus.

Amazon Vendor ist laut Amazon ein Programm auf Einladung. Die Beziehung ist ein Lieferverhältnis: Du stellst Amazon für gelieferte Ware Rechnungen, Konditionen und Zahlungsziele verhandelst du mit Amazon.

Mehr dazu: Vendor-Einladung erhalten, Vom Seller zum Vendor, Chargeback

Entscheidungshilfe

Welches Modell passt, hängt von deiner Ausgangslage ab. Geh diese Fragen der Reihe nach durch:

Fragen vor der Entscheidung
KriteriumEher Seller (3P)Eher Vendor (1P)
Liegt eine Einladung von Amazon vor?Nein, dann bleibt der Seller-WegJa, nur dann ist Vendor überhaupt möglich
Wer soll den Endpreis bei Amazon bestimmen?Du selbstAmazon darf ihn selbst setzen
Wer soll Bestand und Nachschub steuern?Du, nach eigener PlanungAmazon, über seine Bestellungen
Welche Arbeit kann dein Team tragen?Angebote, Preise, Werbung und Versand oder FBABestellungen, Lieferungen, Rechnungen und Verhandlungen mit Amazon
Welche Daten brauchst du?Eigene Bestell- und Preisdaten aus erster HandBerichte, die Amazon zu Verkauf und Bestand bereitstellt

Wann welches Modell?

Wann Seller (3P) passt

  • →Du hast 3–5 FTEs realistisch für ernsthaften Marketplace-Betrieb
  • →Pricing-Disziplin und Listing-Geschwindigkeit sind geschäftskritisch
  • →Echtzeit-Sales- und Ads-Daten sollen aktiv für Wachstum genutzt werden
  • →VAT- und Compliance-Setup pro Markt ist intern stemmbar
  • →Die Marke soll als Verkäufer sichtbar bleiben

Wann Vendor (1P) passt

  • →Volumen-Sortimente mit stabiler, planbarer Sales-Velocity
  • →Großhandels-Logik und Co-Op-Vereinbarungen sind vertraut
  • →Pricing-Hoheit ist nicht geschäftskritisch (keine UVP-Bindung)
  • →Working-Capital-Reserven für Net-60/90-Vorfinanzierung verfügbar
  • →Eine Amazon-Einladung liegt auf dem Tisch und ohne strategische Gegenargumente

Häufige Fragen

Was bedeuten 1P und 3P bei Amazon?+
1P (First Party) bezeichnet das Vendor-Modell, Amazon kauft im Großhandel und tritt selbst als Händler auf. 3P (Third Party) bezeichnet das Seller-Modell, die Marke verkauft eigenständig über den Marketplace, Amazon ist nur Plattform-Vermittler.
Kann man Seller und Vendor gleichzeitig sein?+
Ja, die Konstellation heißt Hybrid-Modell. Die Marke betreibt parallel ein 3P-Seller-Konto und eine 1P-Vendor-Beziehung. Häufig wird das Hauptsortiment über Vendor verkauft, Long-Tail- oder neue SKUs über Seller. Risiko: interne Buy-Box-Konkurrenz und Pricing-Konflikte zwischen den beiden Kanälen.
Was ist günstiger, Seller oder Vendor?+
Direkt vergleichen lassen sich die beiden Modelle nicht. Seller zahlt Verkaufsgebühren je Artikel, laut Amazon meist 8–15 Prozent je nach Kategorie, plus FBA-Gebühren plus eigene Werbeausgaben. Vendor verkauft im Großhandel zu reduzierten Preisen mit Co-Op-Gebühren, Chargebacks und Net-60/90-Vorfinanzierung. Effektive Marge nach allen Abzügen ist im Seller-Modell tendenziell höher, dafür ist der FTE-Aufwand größer.
Welches Modell ist sicherer gegen Account-Sperrungen?+
Vendor ist strukturell sicherer gegen Account-Suspendierungen, weil die Vendor-Beziehung kommerziell und nicht primär KPI-getrieben ist. Ein Seller kann bei zu hoher Defektrate, Policy-Verstößen oder Compliance-Lücken kurzfristig gesperrt werden. Vendor-Beziehungen werden im Konfliktfall meist über Verhandlung gelöst.
Wie wechselt man vom Seller- ins Vendor-Modell?+
Der Wechsel ist nicht aktiv möglich, Vendor-Status ist einladungsbasiert. Wer im Seller-Modell hohe Sales-Velocity zeigt, kann Amazon-Vendor-Manager-Outreach erhalten. Der Wechsel ist meist eine Hybrid-Phase: Vendor-Beziehung wird parallel zum bestehenden Seller-Konto eröffnet, danach werden einzelne SKUs migriert.
Wer legt im Vendor-Modell den Verkaufspreis fest?+
Amazon. Laut Amazon legt Amazon bei Vendor den Verkaufspreis in der Regel selbst fest, während Seller ihre Preise selbst verwalten. Als Vendor verhandelst du den Einkaufspreis, zu dem Amazon bei dir kauft, nicht den Preis für die Kundschaft.
Welche Gebühren zahlt ein Seller bei Amazon?+
In Deutschland zahlst du entweder den Tarif Professionell mit 39 € pro Monat oder als Einzelanbieter 0,99 € je verkaufter Einheit, jeweils ohne MwSt. Dazu kommt je verkauftem Artikel eine Verkaufsgebühr, die von der Kategorie abhängt und laut Amazon meist zwischen 8 und 15 Prozent liegt. Versand durch Amazon (FBA) und Werbung kosten extra. Stand: Oktober 2026.
Kann ich mich selbst als Vendor bei Amazon anmelden?+
Nein. Amazon beschreibt Amazon Vendor als Programm auf Einladung. Ein Seller-Konto kannst du dagegen selbst registrieren.
Was ist Direct Fulfillment im Vendor-Modell?+
Direct Fulfillment ist eine Variante des Vendor-Modells. Amazon verkauft das Produkt an die Kundschaft, und du versendest die Bestellung im Auftrag von Amazon direkt an sie, statt die Ware vorher in ein Logistikzentrum von Amazon zu liefern.

Quellen

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