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FBAvsFBM

FBA vs FBM: Fulfillment-Modelle im Seller-Setup

Research by Nina Leutiger

Der zentrale Unterschied

Bei FBA übernimmt Amazon den kompletten Logistik-Stack, bei FBM versendet der Seller selbst. Beide Modelle sind im 3P-Seller-Modell verfügbar, die Wahl hängt von Produkt, Volumen und Logistik-Infrastruktur ab.

Vergleichsdimensionen

Strukturierter Direktvergleich
KriteriumFBA (Fulfillment by Amazon)FBM (Fulfillment by Merchant)
LagerungAmazon-Fulfillment-CenterEigenes Lager oder 3PL-Partner
VersandAmazon, inklusive VerpackungSeller, eigene Logistik-Wahl
Prime-BadgeAutomatisch vergebenNur via Seller Fulfilled Prime (strenge SLAs)
Conversion-RateHöher durch Prime-BadgeNiedriger ohne Prime, höher mit SFP
Buy-Box-WahrscheinlichkeitHöher (FBA wird priorisiert)Niedriger bei vergleichbarem Preis
Gebühren-StrukturLager- + Fulfillment-Fees, 15–25% GesamtkostenEigene Logistik-Kosten, oft günstiger bei Volumen
Returns-HandlingKomplett bei Amazon, schneller RefundSeller verarbeitet selbst
Branding (Verpackung)Amazon-Branded KartonEigene Verpackung mit Lieferschein, Beipackzettel
Eignung für sperrige ProdukteHöhere LagergebührenOft wirtschaftlicher
Eignung für niedrig drehende ArtikelLong-Term-Storage-Fees ab 6 MonatenKeine Long-Term-Storage-Strafgebühren
Operative Last (Marke)Sehr niedrig, Amazon übernimmtHöher, eigene Logistik-Operations
Internationale SkalierungPan-EU-FBA, automatische DistributionPro Land eigene Logistik-Setup

Pink markierte Felder kennzeichnen das Modell mit dem strukturellen Vorteil in der jeweiligen Dimension. Vorteil heißt nicht „besser für alle", sondern strukturell überlegen, wenn die Dimension entscheidungsrelevant ist.

Wann welches Modell?

Wann FBA passt

  • Standard-Größen-Produkte mit gutem Drehumschlag
  • Prime-Conversion ist Wachstumstreiber
  • Keine eigene Logistik-Infrastruktur vorhanden
  • Pan-EU-Skalierung über Amazon-Distributions-Netzwerk gewünscht
  • Customer Service soll outsourct sein (Amazon übernimmt)

Wann FBM passt

  • Sperrige oder schwere Produkte (Lagerkosten zu hoch bei FBA)
  • Niedrig drehende Sortimente (Long-Term-Storage-Fees vermeiden)
  • Gefahrgut, Lebensmittel mit Kühlkette, kundenindividuelle Produkte
  • Branding über Lieferschein, Beipackzettel, Markenkarton ist wichtig
  • Eigene Logistik-Infrastruktur oder 3PL-Partner bereits etabliert

Häufige Fragen

Was kostet FBA genau?+
Zwei Gebührentypen: Lagergebühren (monatlich pro Kubikmeter, höher in Peak-Monaten Oktober–Dezember) und Fulfillment-Gebühren (pro Bestellung, gestaffelt nach Gewicht und Größe). Plus Amazon Sales Fees (7–15 Prozent je Kategorie). Gesamtkosten liegen typisch bei 15–25 Prozent des Verkaufspreises.
Was ist Seller Fulfilled Prime (SFP)?+
SFP ist Amazons Programm, mit dem FBM-Seller das Prime-Badge zurückerlangen können. Voraussetzungen: Same-Day-Dispatch von Werktagsbestellungen, Wochenend-Versand, strenge SLAs für Lieferzeiten und Defektraten. SFP ist anspruchsvoll umzusetzen, gibt aber FBM-Sellern den Conversion-Vorteil von Prime ohne FBA-Gebühren.
Kann man FBA und FBM für die gleiche ASIN nutzen?+
Ja, multi-channel-fulfillment ist möglich. Manche Seller nutzen FBA für die Hauptmenge und FBM als Backup bei FBA-Lagerknappheit oder für sperrige Varianten. Allerdings: Bestandsverwaltung wird komplexer, Buy-Box-Algorithmus bevorzugt FBA.
Was sind Long-Term Storage Fees?+
Amazon berechnet zusätzliche Lagergebühren für Bestände, die länger als 6 Monate (in manchen Kategorien 365 Tage) im FBA-Lager liegen. Diese Strafgebühren können sehr hoch werden, bis zu 6,90 EUR pro Kubikmeter und Tag. Niedrig drehende Sortimente sind im FBM-Setup wirtschaftlicher.
Was ist Pan-EU-FBA?+
Pan-EU-FBA ermöglicht automatische Bestandsverteilung über sieben EU-Marktplätze. Amazon entscheidet eigenständig, in welchem Lager-Land Bestände liegen. Vorteil: schnellere Lieferzeiten in alle EU-Märkte. Nachteil: VAT-Registrierung in jedem Lagerland Pflicht (oder OSS-Nutzung).