Seller-Vendor logo
Aggregator Model

Amazon Aggregator: Thrasio, Razor, SellerX und das Akquisitions-Modell

Research by Anton Hermann

Was ist ein Amazon Aggregator?

Amazon Aggregator ist ein Unternehmenstyp, der erfolgreiche Third-Party-Brands auf Amazon (FBA-Brands) als Ganzes aufkauft und in einem Portfolio konsolidiert. Anders als beim Broker-Modell, in dem die Marke eigenständig bleibt, gehen beim Aggregator-Deal Markenrechte, Trademarks, Lieferantenverträge, Listings und häufig die Mitarbeiter vollständig auf den Aggregator über.

Aus Sicht des verkaufenden Founders ist Aggregator ein Exit-Modell. Aus Sicht des Marktes ist Aggregator ein Konsolidierungs-Akteur: einzelne Marken werden in einem Portfolio gebündelt, das durch Skaleneffekte (gemeinsame Logistik, zentrales Ads-Management, Cross-Selling-Programme) profitabler werden soll als die Einzelteile.

Die wichtigsten Aggregator-Akteure

Der Markt entstand 2018 mit Thrasio und erlebte 2020–2022 eine Finanzierungs-Welle mit über 15 Milliarden USD an Venture-Kapital. Die wichtigsten Spieler 2026:

  • Thrasio (USA, Boston), gegründet 2018, Pionier der Aggregator-Kategorie. Nach Chapter-11-Restrukturierung 2024 neu aufgestellt.
  • Razor Group (Berlin), eines der größten europäischen Aggregator-Häuser, mit Übernahme von Perch (USA) zusätzlich US-Position.
  • SellerX (Berlin), fokussiert auf europäische Brands mit DACH-Schwerpunkt.
  • Berlin Brands Group (BBG), älter als die klassische FBA-Aggregator-Welle, Multi-Channel-Modell.
  • Heyday, Perch (jetzt Razor), Heroes, Branded, Olsam , kleinere oder regionale Anbieter, häufig in M&A-Bewegung.

Akquisitions-Kriterien

Aggregatoren screenen Brands gegen ein konsistentes Set an Kennzahlen:

  • Jahresumsatz typisch 1–10 Mio EUR, manche Aggregatoren oberhalb dieser Schwelle
  • EBITDA-Marge mindestens 15–25 Prozent nach Berücksichtigung aller Amazon-Gebühren
  • Eigene Marke mit registrierten Trademarks, kein Wiederverkauf von Drittmarken
  • Track-Record mindestens 2–3 Jahre Verkaufsdaten, Quartal-Stabilität wichtiger als Wachstumsspitzen
  • Rating mindestens 4,3 Sterne, niedrige Return-Rate
  • Defensible Position über Patente, Design-Schutz oder echte Produktdifferenzierung

Marktlage 2026: nach der Konsolidierung

Zwischen 2023 und 2025 hat der Markt eine deutliche Bereinigung erlebt. Wesentliche Faktoren:

  • Steigende Kapitalkosten haben den Aggregator-Business-Case mit Multiplier-Arbitrage geschwächt
  • Kennzahl-Inflation während des 2021er-Booms hat zu Überbewertungen geführt, viele Akquisitionen sind heute unter Anschaffungskosten geschrieben
  • Erwartete Skaleneffekte (Cross-Selling, zentrale Operations) sind in vielen Portfolios nicht eingetreten
  • Amazon-Algorithmus-Änderungen haben Portfolio-Brands oft härter getroffen als Stand-alone-Brands mit aktiver Pflege

Folge: die Multiplikatoren sind von Hochpunkt 4–6x EBITDA auf heute 2,5–4x gefallen. Earn-Out-Strukturen mit 15–35 Prozent Performance-Anteil sind Standard. Für Founder, die einen Exit erwägen, ist die Bewertungs-Lage deutlich konservativer als noch 2022.

Vor- und Nachteile aus Verkäufer-Sicht

Aggregator-Verkauf, Trade-offs für Founder
KriteriumVorteileNachteile
LiquiditätSofortige Auszahlung des fixen Kaufpreis-AnteilsEarn-Out-Anteile bleiben performance-gekoppelt
OperativOperations-Last entfällt vollständigVerlust der eigenen Markenführung
BewertungHöhere Multiplikatoren als bei klassischem Asset-Deal möglichMultiplikatoren 2026 deutlich unter 2021er-Niveau
StrategieKlarer Founder-Exit mit definiertem ZeithorizontMarkenrichtung wird vom Aggregator bestimmt

Alternativen zum Aggregator-Verkauf

Wer Skalierung sucht aber die Marke behalten möchte, hat zwei strukturelle Alternativen:

  • Broker-Modell: operative Last wird ausgelagert, Eigentum und Strategie bleiben. Internationaler Marktzugang ohne Markenverkauf.
  • Klassische Private-Equity-Investition: Minderheits- oder Mehrheits-Beteiligung mit operativer Kontrolle des Founders. Höhere Multiplikatoren bei stabilen Profitabilitäts- Profilen, aber selten unter 5 Mio EUR Umsatz verfügbar.

Marktkennzahlen 2026

2.5–4x
EBITDA-Multiplier (2026)
15–35%
Earn-Out-Anteil
1–10Mio EUR
Ziel-Umsatz
15+
bekannte Anbieter

Werte basieren auf öffentlich kommunizierten M&A-Daten, Branchen- Reports und SPACEGOATS-Marktbeobachtung. Einzelfall-Bewertungen können erheblich abweichen.

Häufige Fragen

Was unterscheidet einen Aggregator von einem Broker?+
Ein Broker kooperiert mit der Marke als B2B-Lieferant, die Marke bleibt eigenständig. Ein Aggregator kauft die Marke vollständig: Markenrechte, Listings, Lieferantenverträge und teilweise die Belegschaft gehen über. Aus Sicht des Marken-Verkäufers ist Aggregator ein Exit, Broker eine Service-Partnerschaft.
Wer sind die bekanntesten Amazon Aggregatoren?+
Marktbestimmend sind Thrasio (USA, gegründet 2018), Razor Group (Berlin), SellerX (Berlin), Berlin Brands Group, Heyday, Perch, Heroes, Branded und Olsam. Nach der Konsolidierungswelle 2023–2025 sind einige Akteure ausgeschieden oder zu Multi-Channel-Konzernen umgebaut worden.
Welche Marken-Kennzahlen sucht ein Aggregator?+
Typische Akquisitions-Kriterien: 1–10 Mio EUR Jahresumsatz, EBITDA-Marge mindestens 15–25 Prozent, mindestens 2–3 Jahre stabile Verkaufsdaten, eigene Marken (kein Reseller-Geschäft), Rating mindestens 4,3 Sterne, kein laufender Account-Health-Konflikt, idealerweise patentierte oder geschützte Produktdifferenzierung.
Wie hoch sind typische Aggregator-Multiplikatoren?+
Im Hochpunkt 2021/2022 zahlten Aggregatoren 4–6x EBITDA. Nach der Marktbereinigung 2023–2025 sind die Multiplikatoren auf 2,5–4x gefallen. Earn-Out-Anteile (15–35 Prozent des Kaufpreises an Performance-KPIs gekoppelt) sind heute Standard.
Lohnt sich ein Verkauf an einen Aggregator noch?+
Der Verkauf lohnt sich strukturell für Marken-Founder mit Exit-Wunsch und ohne Nachfolge-Plan. Für skalierende Brands ist der heutige Markt schwieriger als 2021, viele Aggregatoren sind selbst in Sanierung. Eine seriöse Alternative ist das Broker-Modell, das Skalierung ohne Verkauf der Marke ermöglicht.