Amazon-UK-Markteintritt nach Brexit: der Compliance-Pfad
Wann dieser Leitfaden hilft
Du verkaufst erfolgreich in der EU und willst den britischen Markt über Amazon.co.uk erschließen, bist aber unsicher, was sich durch den Brexit bei VAT, Zoll, Logistik und Produktkonformität konkret geändert hat.
Voraussetzungen
- Etabliertes Amazon-Geschäft in der EU mit stabilem Sortiment
- Bereitschaft zur separaten UK-VAT-Registrierung und laufenden Meldung
- Klarheit über die eigene Produktkategorie und deren Konformitäts-Anforderungen
- Logistik-Plan für separaten Bestand in UK-Lagern (Pan-EU deckt UK nicht ab)
Schritt für Schritt
- 01
UK-VAT-Registrierung beantragen
3–6 Wochen
Ausländische Verkäufer (Non-Established Taxable Persons) müssen sich für UK-VAT registrieren, sobald sie an britische Endkunden verkaufen, ohne Umsatzschwelle. Das gilt insbesondere, sobald Ware in einem UK-Lager liegt (FBA). Die Registrierung läuft über HMRC, danach sind regelmäßige VAT-Returns Pflicht. Plane die Registrierungszeit realistisch ein, sie ist der häufigste Engpass.
Ohne gültige UK-VAT-Nummer blockiert Amazon den Verkauf an UK-Kunden beziehungsweise die FBA-Einlagerung. Die Registrierung gehört an den Anfang, nicht ans Ende.
- 02
GB-EORI-Nummer und Zoll-Setup klären
1–2 Wochen
Seit dem Brexit ist jeder Warenfluss von der EU nach Großbritannien ein Import. Dafür brauchst du eine GB-EORI-Nummer und musst Zollanmeldungen, Warentarifnummern und mögliche Zölle berücksichtigen. Kläre früh, wer als Importeur auftritt (du selbst oder ein Dienstleister) und wie die Einfuhr-Umsatzsteuer abgewickelt wird.
- 03
Die 135-Pfund-Regel verstehen
wenige Tage
Für Sendungen mit einem Warenwert bis 135 Pfund, die über einen Online-Marktplatz an UK-Kunden verkauft werden, zieht Amazon die UK-VAT am Point of Sale ein und führt sie ab. Über 135 Pfund oder bei Ware aus einem UK-Lager liegt die VAT-Pflicht beim Seller. Diese Grenze bestimmt, welche Umsätze du selbst melden musst und welche Amazon übernimmt.
- 04
Separates UK-FBA-Inventar planen
2–4 Wochen
Pan-EU-FBA verteilt Bestände nur noch innerhalb der EU, Großbritannien ist seit dem Brexit ausgenommen. Wer FBA in UK nutzen will, muss Ware gezielt importieren und in UK-Lagern einlagern. Kalkuliere die zusätzliche Kapitalbindung, die Importkosten und die getrennte Bestandsplanung gegenüber dem reinen EU-Geschäft.
Wer versucht, den UK-Markt aus EU-Lagern ohne UK-Bestand zu bedienen, riskiert lange Lieferzeiten ohne Prime-Vorteil und Zollverzögerungen bei jeder Bestellung.
- 05
Produktkonformität nach UK-Recht prüfen
1–3 Wochen
Großbritannien hat mit UKCA eine eigene Konformitätskennzeichnung, akzeptiert für die meisten Produktkategorien aber weiterhin die CE-Kennzeichnung. Prüfe pro Kategorie, welche Kennzeichnung gilt und ob ein im UK ansässiger Wirtschaftsakteur (Responsible Person) für die Produktsicherheit erforderlich ist. Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Produkttyp deutlich.
- 06
Amazon.co.uk-Listing aufsetzen und launchen
1–2 Wochen
Mit VAT, EORI, Logistik und Konformität geklärt, richtest du den UK-Marktplatz im Seller Central ein: Listings auf britisches Englisch lokalisieren (nicht nur EN-US kopieren), Preise inklusive UK-VAT kalkulieren, Versandeinstellungen und gegebenenfalls FBA-UK aktivieren. Ein sauberer Soft-Launch mit wenigen ASINs deckt Setup-Fehler vor dem Vollsortiment auf.
- 07
Compliance-Last gegen Broker-Alternative abwägen
parallel
Die Summe aus UK-VAT-Meldungen, Zollabwicklung, separater Logistik und Produktkonformität ist dauerhafter Aufwand. Wenn der UK-Markt nur ein Baustein einer breiteren Expansion ist, rechne die interne Last gegen ein Broker-Modell: Ein Merchant of Record mit bestehender UK-Infrastruktur übernimmt VAT, Import und Compliance, und die Marke verkauft B2B an den Broker.
Häufige Fallstricke
UK-VAT-Registrierung zu spät beantragen
Die HMRC-Registrierung dauert oft Wochen und ist Voraussetzung für FBA-Einlagerung und Verkauf. Wer sie ans Ende des Setups schiebt, verzögert den gesamten Launch.
Annehmen, Pan-EU-FBA decke UK noch ab
Seit dem Brexit verteilt Pan-EU keine Bestände mehr nach Großbritannien. Ohne separaten UK-Import und UK-Lagerbestand gibt es kein funktionierendes FBA-Angebot für britische Kunden.
Produktkonformität pauschal annehmen
CE wird in GB für viele, aber nicht alle Kategorien akzeptiert, und manche Produkte brauchen einen im UK ansässigen Responsible Person. Eine pauschale Annahme führt zu Listing-Sperren oder rechtlichen Risiken.
