Amazon-Kanada-Markteintritt: der Setup-Pfad für DACH-Brands
Wann dieser Leitfaden hilft
Du verkaufst bereits in den USA oder der EU und willst Amazon.ca erschließen, unterschätzt aber, dass Kanada eigene Steuer-, Zoll- und Sprachvorgaben hat und kein reiner US-Anhang ist.
Voraussetzungen
- Etabliertes Amazon-Geschäft in den USA oder der EU als Basis
- Bereitschaft zur GST/HST-Registrierung und laufenden Meldung bei der CRA
- Klarheit über bilinguale Kennzeichnung (EN/FR) für Verpackung und Listings
- Logistik-Plan für Import nach Kanada und CAD-Auszahlung
Schritt für Schritt
- 01
GST/HST-Registrierung und Business Number beantragen
2–4 Wochen
Für den Verkauf an kanadische Kunden brauchst du in der Regel eine GST/HST-Registrierung mit einer Business Number (BN) bei der Canada Revenue Agency. Non-Resident-Unternehmen können sich registrieren. Sobald Ware in kanadischen Lagern liegt (FBA) oder relevante Umsätze entstehen, wird die Registrierung praktisch unumgänglich. Die Bearbeitungszeit gehört an den Anfang der Planung.
- 02
Die zweistufige Steuer verstehen (GST vs HST vs PST/QST)
1–2 Wochen
Kanada erhebt die föderale GST (5 Prozent), die in manchen Provinzen zur harmonisierten HST zusammengefasst ist. Andere Provinzen erheben zusätzlich eine eigene PST, Québec die QST. Welche Kombination gilt, hängt von der Provinz des Kunden ab. Amazon unterstützt die Steuerberechnung, die korrekte Registrierung und Abführung bleibt aber Verantwortung des Sellers.
- 03
Non-Resident Importer und Zoll klären
1–3 Wochen
Für den Import nach Kanada brauchst du einen Importeur-Status. Der Non-Resident-Importer-Ansatz erlaubt DACH-Brands, selbst als Importeur aufzutreten, ohne kanadische Niederlassung. Kläre Warentarifnummern, Einfuhrabgaben und ob unter dem Handelsabkommen CUSMA (USMCA) präferenzielle Ursprungsregeln greifen, das kann Zölle senken.
- 04
Bilinguale Kennzeichnung sicherstellen
2–4 Wochen
Kanadisches Bundesrecht verlangt für die meisten Konsumgüter Kennzeichnung in Englisch und Französisch (verpflichtende Angaben wie Produktidentität und Menge zweisprachig). Québec geht darüber hinaus und verlangt Französisch prominent. Plane bilinguale Verpackung und Listings von Anfang an ein, das ist der häufigste unterschätzte Aufwand beim Kanada-Eintritt.
Fehlende oder unvollständige französische Kennzeichnung führt zu Beanstandungen, besonders in Québec. Eine reine Übernahme der US-Verpackung reicht in Kanada nicht.
- 05
Produktkonformität nach kanadischem Recht prüfen
1–3 Wochen
Je nach Kategorie ist Health Canada zuständig, etwa für Lebensmittel, Kosmetik, Naturheilmittel und Arzneimittel, dazu gelten eigene Produktsicherheits- und Verbraucherschutz-Regeln. Prüfe pro Produkt, welche Zulassungen, Registrierungen oder Warnhinweise erforderlich sind, bevor Ware importiert wird. US- oder EU-Konformität überträgt sich nicht automatisch.
- 06
Amazon.ca-Listing, CAD-Auszahlung und Launch
1–2 Wochen
Richte den kanadischen Marktplatz im Seller Central ein: Listings bilingual (EN/FR) pflegen, Preise in kanadischen Dollar kalkulieren, Auszahlungsweg für CAD festlegen (Amazon Currency Converter oder ein Anbieter wie Payoneer oder Wise) und gegebenenfalls FBA-Kanada aktivieren. Ein Soft-Launch mit wenigen ASINs deckt Kennzeichnungs- und Steuer-Fehler vor dem Vollsortiment auf.
- 07
Interne Last gegen Broker-Alternative abwägen
parallel
GST/HST-Meldungen, provinzielle Steuer-Logik, Import, bilinguale Compliance und Health-Canada-Anforderungen summieren sich zu dauerhaftem Aufwand. Wenn Kanada ein Baustein einer breiteren Expansion ist, rechne die interne Last gegen ein Broker-Modell: Ein Merchant of Record mit bestehender Kanada-Infrastruktur übernimmt Steuer, Import und Compliance, die Marke liefert B2B.
Häufige Fallstricke
Kanada als US-Anhang behandeln
Kanada hat eigene Steuern (GST/HST plus provinzielle), eigene Zollregeln und Sprachvorgaben. Wer einfach das US-Setup dupliziert, verstößt gegen Kennzeichnungs- und Steuerpflichten.
Französische Kennzeichnung unterschätzen
Bilinguale Kennzeichnung ist Bundespflicht, Québec verschärft sie zusätzlich. Fehlendes Französisch ist einer der häufigsten Gründe für Beanstandungen beim Kanada-Eintritt.
GST/HST-Registrierung zu spät angehen
Ohne gültige Registrierung wird die FBA-Nutzung und korrekte Steuerabführung zum Problem. Die CRA-Registrierung gehört an den Anfang, nicht ans Ende des Setups.
